Goldfeuerchen und Schweigen ist Gold - Familienforschung im Kreis Cochem-Zell

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Das Geldfeuerchen

Der alte Hoffmann hatte eine fleißige Magd, die morgens zeitig aufstand. Wenn im Haus noch alles schlief, hantierte sie schon in der Küche. Eines Morgens aber wollte es ihr nicht gelingen, das Feuer zum Kochen des Kaffeewassers anzufachen. Sie hatte schon ein großes Stück Zunder verbraucht, aber die Späne wollten und wollten kein Feuer fangen. Wie die Magd nun zur offenen Haustür hinausschaut, sieht sie auf "Hoffmanns Pesch" ein Feuerchen flackern. Schnell greift sie nach der Küchenpfanne und läuft zum Feuer hin. Ein Häufchen Kohlen in die Pfanne scharren und nach Hause stürmen ist eins. Aber o weh! Wie das Mädchen die Kohlen auf die Späne kippt, Ist alles schwarz. Die Kohlen sind verlöscht. Ein zweites Mal läuft die Magd zum fremden Feuer. Aber auch diese Kohlen sind aus, ehe sie das Holz berührt haben. Zum dritten Mal versucht das Mädchen sein Glück. Wie es am Feuer ankommt, sitzen da drei schwarze, fürchterlich aussehende Gesellen. Der eine sagt:
"Wenn du dich noch mal unterstehst, herüberzukommen, drehen wir dir den Hals um! Ganz verstört kommt das Mädchen in der Küche an. Stockend erzählt sie ihrem Herrn, was sie auf "Hoffmanns Pesch erlebt hat. Der alte Hoffmann, der wohl schon vom Geldfeuerchen gehört hatte: "Mädchen, leg dich wieder hin. Ich will das Feuer schon anfachen!' Wie der Bauer nach den verlöschten Kohlen schaut.., leuchten ihm statt der Kohlen lauter blanke Taler entgegen.

(nacherzählt von Werner Wendel)


Schweigen ist Gold

Ein armer Schiefergräber aus Müllenbach freite ein schönes aber gleich ihm unbegütertes Dorfmädchen. Das junge Paar war sich in herzlicher Liebe zugetan und wünschte bald ein trautes Heim zu gründen, so es die dazu nötigen Taler zusammengespart haben würde. Daß dieser Zeitpunkt bei dem kargen Verdienst des Bräutigams noch in weietr Ferne lag, betrübte und bekümmerte die Liebenden sehr.
Als der junge Bergmann einst in den Stollen des Endert- und Kaulenbachtales tief unter der Erde Schiefersteine grub und in der Halbschichtpause traurig seinen trockenen Brotknausen knabberte, schlüpfte aus dem toten Nachbarstollen ein winziges Männlein. Es nahm den erstaunten Burschen bei der Hand, führte ihn durch die dunkeln Gänge und dann über eine steile Strickleiter tief ins Innere einer riesigen Felsenhöhle. Dort lagen hochgeschichtet gleißende Gold- und Silberschätze. Davon durfte der überraschte Bräutigam sich die Taschen vollstopfen, mußte aber dem “Kaulenmännlein” versprechen, strengstes Stillschweigen zu wahren, was der Beglückte freudig tat.
Die glanzvolle Hochzeit des jungen Schiefergräbers machte seinen plötzlichen Reichtum überall kund. Was Wunder, wenn Neider ihm das Geheimnis der Herkunft mit List zu entlocken versuchten. Aber eingedenk seines Versprechens ließ er nichts von jenem wundersamen Erlebnis im dunkelen Berginnern verlauten. Schließlich löste ihm doch ein von den Neugierigen gespendetes Fäßchen Rebensaft die Zunge und er verriet im Weinrausch seine Begegnung mit dem Stollenmännchen. Noch am selben Tage begleiete man den Glücksburschen in die Schatzgrube. Er sollte neue Reichtümer aus der Berghöhle fördern. Zagend wagte der Treulose wieder den Abstieg über die Strickleiter, unterdes seine Mithelfer droben in der Hauptstrecke am Förderschacht warteten. aber sie harrten vergebens. Als sie schließlich nach dem Verbleib des Vermißten forschten, konnten sie im zerfallenen Stollengang nur noch dessen Leiche bergen. Von den beschriebenen Schätzen fanden sie keine Spur.
Das Stollenmännchen hatte sich an dem wortbrüchigen Bergmann gerächt und ihn erwürgt. Seitdem ist der Berggeist keinem der Müllenbacher und Leienkauler Schiefergräber in den tiefen Gängen und Stollen der Endertberge mehr begegnet.

nach Alfred Lehnen


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